Trinkwasserspender gehören inzwischen auf vielen Festivals zum Standard. Sie sollen Besucherinnen und Besuchern ermöglichen, sich kostenlos mit Wasser zu versorgen – gerade bei Hitze, Alkohol und langen Tagen vor der Bühne. Umso irritierender ist eine Beobachtung, die immer wieder gemacht wird: Manche Menschen benutzen diese Trinkwasserspender als Pinkelrinne. Ich habe es selbst gesen und musste reagieren.
Das ist nicht nur ekelhaft. Es ist ein ernstes Problem für Hygiene, Sicherheit und das Vertrauen in die Festival-Infrastruktur.
Warum Trinkwasserspender auf Festivals so wichtig sind
Auf Festivals geht es längst nicht mehr nur um Komfort. Trinkwasserspender sind Teil des Sicherheitskonzepts. Sie helfen, Kreislaufprobleme zu vermeiden, entlasten Sanitätsdienste und reduzieren Plastikmüll. Gerade bei elektronischen Festivals, langen Sets und hohen Temperaturen sind sie essenziell.
Damit das funktioniert, müssen sich Besucher darauf verlassen können, dass das Wasser sauber ist – und dass der Bereich um die Wasserstelle nicht zweckentfremdet wird.
Wie kommt es zu solchen Grenzüberschreitungen?
Dass Menschen Trinkwasserspender als Toilette missbrauchen, hat selten einen einzelnen Grund. Meist kommen mehrere Faktoren zusammen. Alkohol und Drogen spielen dabei eine große Rolle. Hemmungen sinken, soziale Regeln verschwimmen, kurzfristige Bedürfnisbefriedigung steht über Rücksichtnahme.
Hinzu kommt die Situation auf dem Gelände selbst. Wenn Toiletten weit entfernt sind, Warteschlangen lang oder Sanitärbereiche schlecht beleuchtet, steigt der Frust. Manche suchen dann den vermeintlich einfachsten Ausweg – selbst wenn er völlig inakzeptabel ist.
Ein weiterer Punkt ist die fehlende soziale Kontrolle. Trinkwasserspender stehen oft etwas abseits, ohne permanente Aufsicht. Wo niemand hinschaut, fühlen sich manche unbeobachtet. Das ist kein Entschuldigungsgrund, erklärt aber, warum solche Vorfälle häufig nachts oder in ruhigeren Bereichen passieren.
Warum das mehr ist als ein ekliger Einzelfall
Urin in der Nähe von Trinkwasser ist kein kleiner Regelverstoß, sondern ein echtes Gesundheitsrisiko. Trinkwasserspender sind keine Abwasseranlagen. Schon die Nähe von Verunreinigungen kann dazu führen, dass Keime verschleppt werden oder Besucher dem Angebot misstrauen.
Genau dieses Misstrauen ist gefährlich. Wer glaubt, dass Wasserstellen unhygienisch sind, trinkt weniger oder greift wieder zu teuren Einwegflaschen. Im schlimmsten Fall trinken Menschen zu wenig – mit allen bekannten Folgen für Kreislauf und Gesundheit.
Für Veranstalter bedeutet jeder Vorfall zusätzlichen Aufwand. Wasserstellen müssen gesperrt, gereinigt oder ersetzt werden. Personal wird gebunden, Kosten steigen. Langfristig geraten genau die Angebote unter Druck, die eigentlich allen zugutekommen sollen.
Eine Frage der Festival-Kultur
Am Ende ist das Problem weniger technisch als kulturell. Festivals funktionieren nur, weil Infrastruktur geteilt wird und ein unausgesprochener Konsens herrscht: Man nimmt Rücksicht. Man zerstört nichts, was andere brauchen.
Wer einen Trinkwasserspender als Toilette benutzt, bricht diesen Konsens. Es ist ein Zeichen von Gleichgültigkeit gegenüber anderen Besucherinnen und Besuchern – und gegenüber den Menschen, die solche Veranstaltungen organisieren.
Was sich verbessern lässt
Veranstalter können gegensteuern, ohne gleich mit Verboten zu reagieren. Gut sichtbare Beschilderung, eine durchdachte Platzierung der Wasserspender und ausreichend Beleuchtung wirken oft stärker als jede Moralpredigt. Auch die Nähe zu Toiletten spielt eine Rolle: Wer Wasser und Sanitärbereiche sinnvoll kombiniert, senkt die Hemmschwelle für Fehlverhalten.
Ebenso wichtig ist Kommunikation. Klare, einfache Botschaften wie „Trinkwasser für alle“ machen deutlich, dass es sich um einen sensiblen Bereich handelt – ohne belehrend zu wirken.
Verantwortung endet nicht beim Veranstalter
Auch Besucher tragen Verantwortung. Festivals sind Gemeinschaften auf Zeit. Wenn respektloses Verhalten stillschweigend akzeptiert wird, wird es zur Normalität. Wer andere darauf anspricht oder Security informiert, schützt nicht nur sich selbst, sondern alle.
Fazit
Trinkwasserspender auf Festivals stehen für Sicherheit, Nachhaltigkeit und Rücksichtnahme. Sie als Pinkelrinne zu missbrauchen ist nicht „betrunken lustig“, sondern schlicht inakzeptabel. Es gefährdet die Gesundheit anderer und untergräbt das Vertrauen in eine Infrastruktur, die für alle gedacht ist.
Ob Trinkwasserspender langfristig selbstverständlich bleiben, hängt nicht nur von Technik und Organisation ab – sondern davon, wie respektvoll Menschen miteinander umgehen.






