Ticketverkauf: Wenn die Plattform verdient und verdient

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Beim Blick auf den sekundären Ticketmarkt fällt schnell auf: Nicht nur Veranstalter und Promotoren verdienen an einer Veranstaltung mit, sondern zunehmend vor allem die Plattformen, über die Tickets weiterverkauft werden — wie etwa fanSALE. Der Fachartikel zeigt, warum dies problematisch ist – insbesondere für Verkäufer und Käufer – und worauf man achten muss.

Haftung beim Nicht-Zustellen des Tickets

Wer sein Ticket zum Verkauf einstellt, begibt sich in eine rechtlich verbindliche Verpflichtung gegenüber dem Käufer. So schreibt fanSALE in seinen Nutzungsbedingungen klar vor: Der Verkäufer ist verpflichtet, den Versand der Eintrittskarte unverzüglich einzuleiten, wenn dies von der Plattform verlangt wird. fansale.de Kommt er dieser Pflicht nicht nach — das heißt: Wird das Ticket nicht rechtzeitig zugestellt oder kann gar nicht an den Käufer übergeben werden — dann drohen ihm ernsthafte Konsequenzen. Zusätzlich kann es durch Vertragsverletzungen oder gar falsche Angaben zu Schadensersatzforderungen oder Vertragsstrafen kommen. MCT Agentur GmbH Wer also „mal eben“ seine Karte einstellt und dann nicht zustellt, lernt schnell: Das ist keine harmlose Neben­tätigkeit, sondern ein verbindlicher Vertrag mit Pflichten. Daher immer Karten nur auf einem Portal einstellen und nicht bei mehreren gleichzeitig.

Gebührenmodell bei fanSALE – Doppelbelastung von Käufer und Verkäufer

Ein zentraler Kritikpunkt am Geschäftsmodell von fanSALE besteht darin, dass beide Seiten — Käufer und Verkäufer — Gebühren zahlen müssen. Öffentliche Erfahrungsberichte zeigen: Der Käufer zahlt eine zusätzliche Service- oder Bearbeitungsgebühr auf den Verkaufspreis. Zum Beispiel schreibt ein Nutzer:

„Ich verkaufe ein Ticket: Originalpreis 100 €. fanSALE kassiert vom Käufer eine Servicegebühr von 15 % … d.h. damit mein Ticket überhaupt mal wer bei fanSALE kauft … muss ich es inkl. Servicegebühr billiger …“ Für den Verkäufer kommt hinzu: Eine Provision wird vom Verkaufspreis abgezogen. In den allgemeinen Geschäftsbedingungen heißt es: „Wenn ein Vertrag über den Kauf von auf fanSALE gelisteten Eintrittskarten abgeschlossen wird, berechnet EVENTIM dem Verkäufer eine Provision auf den Kaufpreis und dem Käufer eine Servicegebühr.“
Dies bedeutet in der Praxis: Wird ein Ticket für beispielsweise 100 € eingestellt, fallen Gebühren auf Käuferseite an, und vom Verkäufer wird ebenfalls ein Anteil abgezogen — oft so, dass der Verkäufer am Ende deutlich weniger als 100 € erhält. Ein Erfahrungsbericht: Der Verkäufer bot 80 €, der Käufer musste inkl. Gebühren 92 € zahlen, und der Verkäufer bekam nur 72 € gutgeschrieben.
Auch wenn exakt „10 %“ nicht in den offiziellen AGB als feste Zahl genannt werden (die Höhe der Provision variiert je nach Vertrag) — die Doppelbelastung ist belegt und erheblich.

„Fair Deal“-Anspruch – und die Realität

fanSALE wirbt mit einem sogenannten „Fair Deal“: Die Plattform bezeichnet sich selbst als Marktplatz „für Fans von Fans“ – und verspricht, keine überhöhten Preise zuzulassen. Doch wenn man die Gebührenstruktur betrachtet, entsteht eine andere Bilanz:

  • Auf Käuferseite wird der Preis durch Gebühren über dem reinen Ticketwert erhöht.
  • Auf Verkäuferseite reduziert sich der Erlös durch Abzüge.
  • Ergebnis: Weder Käufer noch Verkäufer fahren „fair“ im Sinne eines ausgleichenden Geschäftsmodells. Der Käufer zahlt zu viel, der Verkäufer erhält zu wenig.
    So schreibt ein Nutzer auf gutefrage.net:

„FanSale ist für den Käufer extrem teuer. Selbst wenn Du die Tickets dort zum Originalpreis einstellst, kassiert FanSale nicht nur vom Angebotspreis von Dir 10 %, sondern zusätzlich schlagen sie beim Käufer 15 % …“
Damit ist klar: Wer vom „Fair Deal“ spricht, der übersieht die Gebührenstruktur, die erhebliche Gewinnmargen für die Plattformen generiert.

Fazit

Die Plattformen wie fanSALE treten auf den ersten Blick als serviceorientierte Vermittler im Ticket-Weiterverkauf auf: sicherer Verkauf, kein Schwarzhändler, faire Preise. Doch ein genauer Blick zeigt: Der Plattform-Betreiber verdient doppelt, und das auf Kosten von Käufer und Verkäufer. Gleichzeitig nehmen Plattformen den Verkäufern Pflichten und Risiken ab, etwa bei Nichtzustellung – und übertragen damit die Haftung auf den Einzelnen. Wer also Tickets weiterverkaufen möchte, sollte sich bewusst sein: Das ist kein Nebenjob ohne Risiko und ohne Kosten. Die Gebühren- und Vertragsstruktur sollten im Vorfeld genaustens geprüft werden.

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