Die zweite Bandwelle für Hurricane und Southside 2026 setzt ein deutliches Signal: Die Festivals schärfen ihr musikalisches Profil und rücken Acts ins Zentrum, die seit Jahren Bühnen definieren und Genregrenzen ignorieren. Mit Billy Talent, Florence + The Machine, Provinz und Empire Of The Sun wächst das Line-up um vier Künstler, die unterschiedliche Welten bedienen, aber eines gemeinsam haben: Sie füllen große Bühnen mit Haltung, Detailtreue und einem Sound, der live besonders aufblüht.
Billy Talent – die Konstante im Alternative Rock
Das kanadische Quartett steht seit zwei Jahrzehnten für kompromisslose Energie. Ihre Auftritte leben von präzisem Zusammenspiel, einer klaren Handschrift und der Fähigkeit, politische Themen in hymnische Refrains zu verpacken. Für große Open-Airs wie Hurricane und Southside ist das ein Garant für hohe Dichte vor der Bühne und für einen Sound, der sich über das Gelände legt, ohne seine Schärfe zu verlieren.
Florence + The Machine – eine Stimme, die Räume verwandelt
Florence Welch ist eine Erscheinung, die seit ihrem Debüt vor allem live Maßstäbe setzt. Die Mischung aus Art-Pop, Indierock und folkloristischen Elementen sorgt dafür, dass ihre Konzerte eher wie rituelle Erlebnisse wirken. Auf Festivalflächen entstehen daraus Momente, in denen Stimme, Licht und Dynamik ein gemeinsames Ganzes bilden.
Provinz – die Gegenwart der deutschen Indie-Generation
Die Band aus Ravensburg hat sich in kurzer Zeit an die Spitze des hiesigen Indie-Pop gespielt. Ihre Melodien sind offen, zugänglich und doch voller Zwischentöne. In der Live-Umsetzung verbinden sie klare Instrumentierung mit einer emotionalen Unmittelbarkeit, die besonders bei jungen Festivalbesucher*innen ankommt.
Empire Of The Sun – Pop als Neonvision
Das australische Duo steht seit Jahren für opulente Popproduktionen, die live in ein audiovisuelles Gesamterlebnis überführt werden. Synthesizer, Chöre, Kostüme und eine Bühnenästhetik zwischen Science-Fiction und Kunstperformance prägen ihre Konzerte. Für beide Festivals bedeutet das eine farbige, elektronische Erweiterung des Line-ups.
Ergänzungen, die das Bild weiter schärfen
Mit Finch, Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys, Nothing But Thieves, A Day To Remember, Wolf Alice, SSIO und weiteren Acts wird das Programm breiter und zugleich klarer strukturiert.
- Nothing But Thieves bringen eine Präzision im Modern-Rock mit, die durch starke Vocals und komplexe Arrangements getragen wird.
- Wolf Alice bleiben eine der spannendsten britischen Gitarrenbands der letzten Jahre, weil sie zwischen Ambient-Passagen, Noise und Pop schalten können, ohne ihre Identität zu verlieren.
- A Day To Remember liefern den nötigen Druck für Besucher*innen, die moderne Core-Elemente und Mitsingrefrains gleichermaßen suchen.
- Finch und SSIO sorgen für eine härtere, elektronische bzw. urbane Kante, die den Gesamtmix der Festivals spürbar erweitert.
- Roy Bianco & Die Abbrunzati Boys bedienen das Italo-Pop-Revival mit einer Präzision, die live erstaunlich gut funktioniert und für Leichtigkeit im Programm sorgt.
Ein Line-up, das 2026 prägen dürfte
Die Kombination aus etablierten Headlinern, starken britischen Gitarrenbands, elektronischen Akzenten und deutschsprachigen Acts zeigt, wohin die Reise der großen deutschen Zwillingsfestivals geht: weg von eindimensionalen Genreschienen und hin zu einer dramaturgisch gebauten Mischung. Die 2026er-Ausgabe wirkt bereits jetzt wie ein Festival, das Vielfalt als Konzept begreift, ohne beliebig zu werden.
Wer die Entwicklung der beiden Events verfolgt, merkt: Die Kurve zeigt klar nach oben – musikalisch, atmosphärisch und in der Art, wie die Veranstalter das Line-up kuratieren.





