Warum ein KI-Verbot in kreativen Berufen richtig wäre

Bild: KI-generiert

Dass Plattformen wie Bandcamp KI-generierte Musik verbieten, ist ein wichtiges Signal – und längst überfällig. Denn was hier oft als technischer Fortschritt verkauft wird, ist in Wahrheit eine massive Verschiebung von Wertschöpfung: weg von Künstlerinnen und Künstlern, hin zu Plattformen und Investoren.

KI zerstört kreative Berufe nicht, weil sie „zu gut“ ist, sondern weil sie gezielt dazu genutzt wird, menschliche Arbeit überflüssig zu machen. In der Musikindustrie zeigt sich das besonders deutlich. KI-Modelle werden mit bestehender Musik trainiert, erzeugen daraus neue Tracks – und plötzlich steht unbegrenzt „kostenlose“ Musik zur Verfügung. Ohne Urheber. Ohne Tantiemen. Ohne Verantwortung. Für Plattformen ist das wirtschaftlich attraktiv. Für Kreative ist es existenzbedrohend.

Natürlich wird argumentiert, KI sei nur ein Werkzeug. Doch genau hier liegt der Unterschied: Ein Werkzeug unterstützt Kreativität – es ersetzt sie nicht vollständig. Wenn KI jedoch Musik produziert, die direkt mit menschlichen Werken konkurriert, dann ist sie kein Werkzeug mehr, sondern ein Ersatz. Und dieser Ersatz wird nicht fair vergütet.

Ja, ich nutze selbst KI – etwa zur Generierung von Bildmaterial. Aber der entscheidende Punkt ist das Urheberrecht. In der Musik werden aktuell massenhaft bestehende Werke als Trainingsmaterial genutzt, ohne Zustimmung, ohne Vergütung. Das ist keine Grauzone mehr, sondern eine schleichende Enteignung.

Als Reaktion bleibt vielen nur noch eines: Live-Auftritte unterstützen. Doch selbst hier ist das System längst aus dem Gleichgewicht geraten. Ticketplattformen, Veranstalter und Investoren schöpfen einen immer größeren Teil der Einnahmen ab, während Fans mehr zahlen und Künstler trotzdem kämpfen müssen. Musik wird zur Ware, das Erlebnis zur Renditequelle.

Ein generelles KI-Verbot in kreativen Berufen mag politisch unrealistisch erscheinen. Die Techindustrie ist mächtig, gut vernetzt und getrieben von Effizienz und Gewinn. Aber kulturell ist eine klare Haltung notwendig. Es geht um die Frage, ob wir Kunst als menschlichen Ausdruck begreifen – oder nur noch als austauschbaren Content.

Kreative Arbeit hat einen Wert. Nicht, weil sie perfekt ist, sondern weil sie menschlich ist. Und genau das sollte schützenswert bleiben.

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